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Kriegwald im Erzgebirge

Als Kriegwald wird das Waldgebiet bezeichnet, das sich zwischen Schwarzwassertal und Flöhatal, sowie Ansprung und der Grenze zu Böhmen befindet. Durch den Kriegwald führte der Alte Böhmische Steig (antiqua semita boemorum). Der Handelsweg wurde von der Burg Liebenstein aus kontrolliert.

Buschwindröschen auf wiese im Kriegwald

Zu Beginn des 14. Jhd. wurde die Herrschaft Liebenstein zerschlagen. Anspruch auf das riesige Waldgebiet erhoben die benachbarten Herren von Rothenhaus (aus Böhmen), sowie die Lautersteiner Herren von Berbisdorf. Schließlich übten unter fortsetzenden Querelen beide Herrschaften Nutzungsrechte aus. Diese Streitigkeiten gaben dem Wald auch seinen Namen.

Schon im Jahre 1559 mussten jedoch die Herren von Berbisdorf ihre Herrschaft mit den dazugehörigen Wäldern weit unterm Wert an das Herrschaftshaus Wettin, dem sächsischen Kurfürsten August der I. verkaufen. Dieser weitete zu jener Zeit seine Waldbesitzungen stark aus, um Holznachschub für die sächsischen Bergwerke gewährleisten zu können. Mit der Holzordnung von 1560 wurde der Holzeinschlag, die Flößerei, als auch die Holzkohlerei massiv ausgebaut. Noch heute zeugt der Lehmhaidner Teich von der damaligen Flößerei im Kriegwald. 1000te Tonnen Holzkohle wurden in den Folgejahren in die Bergbaureviere um Freiberg und auch in das nahegelegene Marienberg geliefert. An der Grenze zu Böhmen entstand eine Rodungsinsel. Hier entstanden die Dörfer Einsiedel-Sensenhammer und Rübenau.

Den territorialen Streitigkeiten mit den Rothenhausern machte der sächsische Kurfürst ein Ende. Unter Androhung von Krieg trat Christoph Weitmühl von Carlowitz seine Rechte an die Wettiner ab. In den darauffolgenden Jahren ließ der Kurfürst an der Grenze einen Wildzaun, sowie Wege zur schnellen Bewegung von Landeswehraufgeboten errichten.

Im 17. und 18. Jahrhundert ging der Waldbestand trastisch zurück. Dies war aber nicht allein dem Montangewerbe zuzuschreiben, sondern auch der Hutehaltung. So nutzte das Rittergut Olbernhau den Kriegwald als Hutewald für seine Rinder und Schafe. Das in den Wald getriebene Vieh ernährte sich von Früchten wie Bucheckern, als auch jungen Bäumchen. So wurde der Kriegwald sehr licht. Vor allem die Buche konnte sich nicht verjüngen, wodurch die Fichte zur vorherrschenden Holzart wurde.

im Kriegwald

Im Jahr 1828 wurde das Lautersteiner Forstrevier, zudem der Kriegwald gehörte, mit dem Marienberger Forstbezirk zusammengelegt. Erst nach und nach kam man zu der Erkenntnis, das die Monokultur zur Verarmung führt. So begann man in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts mit der Wiederanpflanzung von Tanne und Buche, sowie Lärche und Douglasie. Rotwild und die harten, schneereichen Winter ließen jedoch nur wenige Bäume am Leben. In den 70er und 80er Jahren setzten zudem die Industrieabgase des Nordböhmischen Braunkohlereviers dem Kriegwald stark zu. Doch mit der politischen Wende nahm auch die Luftbelastung ab. Der Wald erholte sich spürbar.

Wandergruppe im Kriegwald

Heute ist der Kriegwald nicht nur das größte, sondern auch das schönste Waldgebiet im Erzgebirge. Schwarzwassertal und Natzschungtal sind mit ihren bizarren Felsformationen weit über die Grenzen Sachsens bekannt. Alljährlich suchen hier 10.000te Erholung. Der Kriegwald ist ein Paradies für Wanderer und Radfahrer. Im Winter wird er von einem Loipennetz durchzogen.

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