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Geschichte des Glaswerks Olbernhau Pech u. Kunte


Vorwort

BleikristallvaseGlitzernd spiegelt sich das Sonnenlicht im Schliffbild einer Bleikristallvase, welche neben meinem Schreibtisch am Fenster steht. Für einen kurzen Augenblick gehen meine Gedanken zurück an jene Tage, an denen ich als Kind meinen Vater während seiner Arbeit besucht habe. Vor meinen Augen sehe ich wieder die große gläserne Halle am Bruchbergweg in Olbernhau. Staunend stehe ich im Raum, welcher vom Lärm erfüllt ist, der bei der Glasbearbeitung entsteht. Viele fleißige Hände lassen aus einfach anzusehenden Rohglaskörpern Kunstwerke entstehen. Da sind die Arbeiter an den Planschleifmaschinen, die Frauen beim Anzeichnen und beim Waschen der Glasartikel. Vor mir die Schleifer und Graveure, hinten auf der linken Seite die alte Säurepolieranlage. Hier werden noch von Hand mittels eines Gestänges die vorgeschliffenen Glaskörper in den Säurebottichen geätzt. Nach der Fertigstellung werden an manchen Artikeln noch Füße angeklebt und dann wird alles verpackt und zum Versand gegeben. Ich laufe zu meinem Vater, welcher als Glasschleifer hier in einer der Brigaden tätig ist. Ganz sicher bin ich in jenen Tagen auch dem Gründer und Betriebsdirektor Herrn Edmund Pech begegnet. Noch weiß ich nicht, dass der Werkstoff Glas und die Geschichte des Glaswerkes Olbernhau mein ganzes Berufsleben bis heute begleiten werden.
 

Entstehung des Glaswerks in Olbernhau

Nach den Schrecken des 2. Weltkrieges und seinen schlimmen Folgen hat nach Flucht und Vertreibung aus dem Sudetenland Herr Edmund Pech in Olbernhau ein Unternehmen mit Weltruf erschaffen. Pech u. Kunte Olbernhau, mit seinen Niederlassungen in Satzung und Carlsfeld, war der beste Glasveredlungsbetrieb der ehemaligen DDR. Nach Aussage einer meiner Lehrer aus Weißwasser hatte Olbernhau das schönste Musterzimmer aller ehemaligen DDR Glasveredlungsbetriebe. Die Schleifer und Graveure aus Olbernhau waren Vorbilder für andere DDR Betriebe. Herr Pech beschäftigte in seinen Reihen beste Kunsthandwerker und Künstler. Bleikristall aus Olbernhau wurde in die ganze Welt exportiert. Bis heute hat Bleikristall aus der Firma Pech & Kunte einen hervorragenden Ruf in der Welt. Große Achtung habe ich vor der Leistung, welche Herr Pech in Olbernhau und den Zweigbetrieben in Satzung sowie Carlsfeld mit allen seinen Mitarbeitern gebracht hat.

Der Niedergang der Bleikristallveredlung in Olbernhau ist ein trauriges Kapitel der Industriegeschichte unserer erzgebirgischen Heimat und für mich persönlich bis heute nicht richtig nachvollziehbar. Die Arbeits- und Lebenswelt veränderte sich mit der politischen Wende im Jahr 1989 schnell. In den Folgejahren sinkt die Nachfrage nach geschliffenem und graviertem Bleikristall stark. Diese Entwicklung geht auch am Glaswerk Olbernhau nicht spurlos vorbei. Fast alle Bleikristallschleifer und Graveure werden arbeitslos und müssen sich nach anderen Verdienstmöglichkeiten umschauen. Einige wenige wagen den Schritt in die Selbständigkeit. Ausgehend vom ehemaligen Betriebsteil Satzung entstehen in dem kleinen Ort auf dem Erzgebirgskamm 4 Einzelunternehmen. So möchte ich mit diesem kleinen Artikel erreichen, dass die Geschichte der Bleikristallveredlung hier im Erzgebirge nicht ganz in Vergessenheit gerät.

Die Firma Pech & Kunte (später VEB Glaswerk Olbernhau ) entstand nach dem 2. Weltkrieg in Olbernhau durch das unternehmerische Wirken mit großem Engagement von Herrn Edmund Pech aus dem böhmischen Haida (Novy Bor).

Edmund Pech wurde am 08.06.1921 in Langenau/ Nordböhmen als Sohn eines Handwerkers geboren. Er besuchte die Volks- und Bürgerschule. In den Jahren 1935 bis 1938 erlernte er an der Glasfachschule Haida (Novy Bor) den Beruf des Glasgraveurs.

Lehrlingszeichnungen von Edmund Pech  Einblick in die Lehrlingszeichnungen von Edmund Pech
Lehrlingszeichnungen von Edmund Pech (Fotos privat)

Er schloss die Fachschule Haida für Glasindustrie als Ingenieur ab. Durch diese umfangreiche Ausbildung hat E. Pech ausgezeichnete Kenntnisse über den Werkstoff Glas und die Möglichkeiten zur Glasgestaltung, welche die Glasgraveure und Glasschleifer (Kugler) haben. Ich erinnere mich noch sehr gut an einen Besuch in seinem Dienstzimmer im Glaswerk Olbernhau. Zu dieser Zeit lernte ich selbst schon den Beruf eines Glasgraveurs in der Niederlassung Satzung. Er zeigte uns Lehrlingen eine Vase, die er selbst in seiner Ausbildung graviert hatte. Die sehr gute und ganz hervorragende Kupfergravur begeistert mich heute noch. Es war eine Darstellung mit dem Rübezahl. Ich glaube, dass ein Mensch durch das Erlernen eines solchen schönen Handwerks sich sein ganzes Leben in das Schaffen „seiner“ Glasarbeiter einfühlen kann. Das war im Jahr 1981.

Fachhochschule Haida f�r Glasindistustrie Haida auf der Landkarte
Glasfachschule Haida, Kartenausschnitt rund um Haida

Nach seiner Ausbildung zum Glasgraveur und dem Abschluss als Ingenieur musste E. Pech, wie viele seiner Generation, in den Krieg ziehen. 1939 wurde er einberufen. Nach der Vertreibung und Umsiedlung vieler Sudetendeutscher kam Edmund Pech mit 25 Jahren auf Umwegen nach Olbernhau. 1946 gründete er mit 6 bis 8 Landsleuten in dem Anbau der sogenannten Krause- Schmiede in Olbernhau seine erste Werkstatt. Nachdem Scheiben von Gasmasken zu Untersetzern geschliffen wurden, waren die Anfänge der Glasschleiferei getan. 1947 stellte die kleine Firma erstmals auf der Leipziger Messe aus, um erste Kontakte zu knüpfen. Durch umsichtige Werbung zu bekannten Landsleuten vergrößerte sich zunehmend die Belegschaft und es wurden 1948 die ersten Lehrlinge eingestellt. Im selben Jahr kommt auch der ausgezeichnete Glasgraveur E. Pihan nach Olbernhau und beginnt seine Tätigkeit in der Firma. E. Pihan wurde 1905 in Haida geboren und erlernte dort sein Handwerk. Er kann sehr gut zeichnen und seine Entwürfe werden die Glasgravur in Olbernhau entscheidend prägen und nachhaltig beeinflussen.


Bild Links: (Rechts im Bild) Emil Pihan, Walter Kunde, Fam. Lorenz                                Bild Rechts: (obere Reihe) Emil Pihan, Heinz Legler, Berta Kunte, Walter Kunte, Paul Karger, (untere Reihe) Heinz Lorenz, Günter Bretfeld
 


Graveure ca. 1950

Musterzeichnung E. Pihan und fertiger Artikel aus der Olbernhauer Produktion

Musterskizzen E. Pihan

Zu diesem Zeitpunkt werden die alten Räumlichkeiten zu eng. Auch das Sortiment hatte sich stark vergrößert. Es bestand in dieser Zeit aus Vasen und anderen Glasgegenständen, welche aus Glashütten im Lausitzer Raum bezogen wurden.

Glashuetten im Lausitzer Raum Lausitzer Glashuetten
Ehemalige Krausschmiede, erste Werkstatt von Edmund Pech

Auszug aus einem der ersten Musterkataloge Abbildungen von einem der ersten Musterkataloge
Abbildung aus einem der ersten Musterkataloge

Alte Olbernhauer Musterzeichnung Alte Musterpause aus Olbernhau
Alte Olbernhauer Musterzeichnung und Musterpause

Um die Produktionsräumlichkeiten zu erweitern, kaufte E. Pech den Betrieb der ehemaligen Textilfirma Schaller auf der Grünthaler Straße in Olbernhau. Der gute Ruf der Produkte und die Propaganda des Betriebes Pech und Kunte zog immer mehr Fachleute nach Olbernhau. Dazu kam die jährliche Ausbildung von Lehrlingen. In dieser Zeit lernt auch mein Vater Christian Hofmann den Beruf des Kuglers.

Ausbildung von Lehrlingen in der Glasfabrik Olbernhau Ausbildung zum Beruf Kugeler Lehrlinge bei der Ausbildung zum Glasgraveur
Mein Vater Christian Hofmann (rechts im Bild) mit seinen Kollegen während der Ausbildung

Durch die fachlichen Fähigkeiten der Beschäftigten im Tiefschliff sowie Gravur, konnten hochwertige Glasgegenstände geschliffen und mit neuen Dekoren versehen werden. Auch die Malerei wurde in den Aufschwung einbezogen.


Leipziger Messe 1953
 

Artikel Rotaetze mit Gravur Rotaetze mit Gravur Artikel aus dem Bereich Malerei Glasartikel mit Malerei Glasflasche mit passenden Glaesern
Artikel Malerei / Rotätze mit Gravur

Der weitere Anstieg der Beschäftigten führte dazu, dass wiederum diese Räumlichkeiten zu eng wurden und es musste 1953 in die damalige Dörfelmühle in Olbernhau umgezogen werden.

Alte Schleiferei in der D�rfelm�hle in Olbernhau Schleiferei in der Olbernhauer D�rfelm�hle
Die alte Schleiferei in der Dörfelmühle

Da in der Zwischenzeit schon sehr viel für den Export produziert wurde, „Großabnehmer waren Japan, Italien und zunehmend die USA“, verstärkte sich die Produktion mit farbigen Glas, sogenanntes Überfangglas.

Geschliffenes Bleikristall Goldrubin Bleikristall geschliffen in Goldrubin
Bleikristall geschliffen goldrubin

In den 70er Jahren vergrößerte sich der Export in über 20 Länder, was natürlich für die ehemalige DDR ein hohes Maß an Devisen einbrachte. Da Edmund Pech immer neue Ideen hatte, ließ er 1964/ 65 ein neues Produktionsgebäude an der Dörfelstraße errichten und nahm die Produktion von Wirtschaftsglas auf.


E. Pech

Dabei wurden Flachglasscheiben zu Lampenschirmen und verschiedenen gebogenen Gegenständen mit farbigen Siebdruck produziert.


Gebogenen Schale mit Siebdruck in rotMit Siebdruck verzierte gebogene Schale in blauGebogene Schale mit Siebdruck in weiss
Gebogene Schalen mit Siebdruck

Später kam noch die Produktion von Einscheiben-Sicherheitsglas für Eisenbahn-, Straßenbahn- und Schiffsbau dazu.

Scheiben fuer den Waggonbau
Scheiben für den Waggonbau


Ein Betrieb in Grüna bei Chemnitz wurde als sogenannter Rationalisierungsmittelbau angeschlossen. Dort fertigte man für die Wirtschaftsglasproduktion und stellte verschiedene Maschinenteile her. 1972 wurde der Betrieb von Privat- in Volkseigentum umgewandelt, Edmund Pech blieb aber weiterhin Betriebsdirektor. Somit wurde der Betrieb tragendes Mitglied im Kombinat „Lausitzer Glas Weißwasser“. Auch kulturell wurden mit der Belegschaft Ausfahrten, Betriebssportfeste und Weihnachtsfeiern durchgeführt.

In der Zwischenzeit lief die jährliche Ausbildung von Lehrlingen in der Bleikristallveredlung. Es fanden regelmäßig erfolgreiche Leistungsvergleiche auf Betriebs- und Kombinatsebene statt. Nicht nur Lehrlinge, auch Facharbeiter stellten sich den internationalen Herausforderungen. Die besten Schleifer und Graveure nahmen am internationalen Leistungsvergleich der Glasmacher, Glasschleifer und Graveure in Weißwasser teil.

Durch den Anstieg der Belegschaft musste die Produktionshalle für Bleikristall 1971 vergrößert werden. Es entstanden für annähernd 100 Veredler (Kugler, Graveure, Planschleifer und sonstiges Personal) Arbeitsplätze mit sehr guten Bedingungen. Damit stieg natürlich auch der Umsatz und Export des Betriebes, welcher auch dem Kombinat Lausitzer Glas zugute kam.

Neue Produktionshalle ab 1971Betriebssportfest zum Leistungsvergleich
Neue Produktionshalle ab 1971

1978 wurde die Glasveredlungsfirma Volkmar & Co. aus Satzung dem Glaswerk Olbernhau angeschlossen.


Betriebsteil Satzung

1945 kommen aus dem Böhmischen Langenau bei Haida die Heimatvertriebenen Alfred Lorenz, sein Sohn Erich Lorenz und ein Herr Bernd (Vorname nicht bekannt) direkt nach Satzung. In der Hoffnung, eines Tages in die alte Heimat zurück kehren zu können, kommen viele ehemalige Sudetendeutsche in Orte unmittelbar der neuen deutsch-tschechischen Grenze.

Alfred Lorenz Erich Lorenz
Alfred Lorenz                                                        Erich Lorenz

Alfred Lorenz war gelernter Glasgraveur und arbeitete auch als Glasmaler. Erich Lorenz ist gelernter Einzelhandelskaufmann und erlernt bei seinem Vater als zweiten Beruf das Handwerk eines Glasgraveurs.

1947 gründet Herr Herbert Hesse die erste Glasveredlungsfirma Volkmar & Co. in Satzung. Der erste Betriebsstandort sind Räumlichkeiten im Wohnhaus von Familie Hesse an der Straße mit Namen „An der Reihe“. Herr Hesse stammt aus Satzung und hat an der Beamtenschule in Geyer gelernt. Sicher haben die kleine Firma Vater und Sohn Lorenz in Absprache mit Herbert Hesse gegründet. Alfred Lorenz war der Fachmann, der das Glasgravurhandwerk aus seiner böhmischen Heimat mit nach Satzung brachte. Wie schwierig muss es doch kurz nach dem Krieg gewesen sein, in einem Ort, in dem es vorher nie eine Glasveredlungsfirma gab, ein solches kleines Unternehmen zu gründen. Mit viel Fleiß und unternehmerischen Wirken mussten ja erst einmal Maschinen und Werkzeuge beschafft werden. Große Achtung verdienen diese Menschen, welche aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Oft nur noch wenige Habseligkeiten besitzend und die nun wieder ganz neu das Leben meisterten. So waren die ersten Mitarbeiter Alfred Lorenz als Glasgraveur sowie Glasmaler, sein Sohn Erich als Glasgraveur und als Kugler Herr Bernd. Als Glasmaler wird ab dem Jahr 1947 auch ein Herr Lochmann benannt. Herr Lochmann war Lehrer, soll aber auch für die kleine Firma als Glasmaler tätig gewesen sein.

Graviert, geschliffen und bemalt wurden Trinkglasserien, Teebecher und Untersetzer aus Glas.

Geschliffene und gravierte Glasuntersetzer
Geschliffene Untersetzer

Die Gläser kommen aus Glashütten in Thüringen (Stüzerbach, Ilmenau) und aus Weißwasser. Die Firma Volkmar & Co. ist auch auf der Leipziger Messe vertreten und beliefert regionale Geschäfte.

Auch in Satzung wird die Produktion immer umfangreicher und so werden in der Hauptstraße Haus Nr. 122 im Jahr 1950 weitere Produktionsräume geschaffen. 1954 wird als einer der ersten Lehrlinge Herr Johannes Meßner genannt. Er erlernt sein Handwerk bei dem Graveur Hans Hübner und zeitweise bei Herrn Emil Pihan in Olbernhau.

Erich und Alfred Lorenz in der Gravurwerkstatt
Alfred und Erich in der Gravurwerkstatt

 

Rolf Meyer erlernt das Glasschleiferhandwerk1955 erlernt mein Schwiegervater Rolf Meyer als zweiten Beruf das Glasschleiferhandwerk.

In den Jahren 1958-1961 lernt der später bedeutendste Glasgraveur der ehemaligen DDR Bernd Mühlig bei Erich Lorenz. Bernd Mühlig wird selbst ab dem Jahr 1961 als Ausbilder tätig sein. Schwerpunkt der Produktion in Satzung ist weiterhin die Glasgravur und der Glasschliff.


 

Mein Schwiegervater Rolf Meyer bei der Arbeit

 

Glasschleifer Matthias Goetz Glasschleifer Gerhard MelzerGlasschleifer Hans-Juergen KoehlerGlasscheiffer Brigitte Koehler
Satzunger Glasschleifer (Brigitte Köhler, Hans-Jürgen Köhler, Matthias Götz, Gerhard Melzer)

Es entstehen die verschiedensten Kelchglasserien, Vasen und Schalen mit unterschiedlichen Motiven. Graviert werden Jagdmotive, Blumen, Weinlaub. Es entstehen auch Pokale für sportliche Ereignisse. Die Glasschleifer fertigen Bleikristall Kelchglasserien, Bowlen und Platten. Diese werden als reine Schliffarbeiten aber auch in Kombination mit Gravur gefertigt.

Bleikristallartikel aus der Fabrik in Satzung Satzunger Bleikristall Bleikristallartikel aus Satzung mit Gravur Bleikristall gefertigt in Satzung Satzunger Bleikristall mit Wildvoegeln
Satzunger Bleikristallartikel mit Schliff und Gravur

Um die vielen Bestände an Rohglas unterbringen zu können, werden in Satzung verschiedene Lager gepachtet. Erst mit dem Bau der neuen Lagerhalle im Jahr 1966 verbessert sich die Möglichkeit deutlich, das Rohglas unter zu bringen. Kulturelle Höhepunkte sind u. a. Betriebsausfahrten.

1972 wird der kleine Betrieb verstaatlicht.

Erich Lorenz wird neuer Betriebsleiter. Im Jahr 1976 erfolgt der endgültige Umzug in das Haus Nr. 122 an der Satzunger Hauptstraße. Von nun an kann die Produktion konzentriert in einem Gebäude stattfinden.

Bleikristall Anzeichnen und Guetekontrolle Anzeichnen und G�tekontrolle von BleikristallGemeinsame BetriebsausfahrtBetriebsausfahrt zur Drachenhoehle
Anzeichnen und Gütekontrolle

Ab 1976 beginnt in Satzung die Ausbildung von Lehrlingen im Bereich Glasgravur für das Glaswerk Schönborn. 1978 wird Satzung ein wichtiger Betriebsteil von Olbernhau. Von nun an wird auch in Satzung verstärkt Überfang Bleikristall bearbeitet. Vor allem in der Gravur entstehen unter den fleißigen Händen von Bernd Mühlig herausragende Gravuren für den Olbernhauer Export. Im Jahr 1978 beginnt auch meine Lehrzeit als Glasgraveur. In dieser Zeit gab es noch einen Rahmenausbildungsvertrag zwischen dem Kombinat Lausitzer Glas und der Staatlichen Porzellanmanufaktur Meißen. So durften die Lehrlinge der Glasgravur im ersten Ausbildungsjahr die Zeichenschule der Porzellanmanufaktur besuchen. Die Zeichenschule war eine wichtige Grundlage für die spätere Ausübung des Berufes. Nach Beendigung der Zeichenschule lernte ich meinen Beruf bis 1981 bei Bernd Mühlig in Satzung. Er war ein ausgezeichneter Ausbilder und gab mir die Grundlage für mein weiteres Berufsleben. Unser Betriebsleiter Erich Lorenz erzog uns zu disziplinierten und genauen Arbeiten. Er gab mir manch wichtigen Tipp von dem ich heute noch profitiere.

Lehrlinge des Jahrgangs 1980/1981Fertigungsroboter Saeureanlage
Lehrlinge 1980/1981

1979 wird das alte Glaswerk Carlsfeld vom VEB Glaswerk Olbernhau übernommen. Die Glashütte Carlsfeld ist die letzte Glashütte im Erzgebirge, welche zu diesem Zeitpunkt als solche noch produziert. Hier entstehen Flaschen und Gefäße für die kosmetische Industrie. Kurze Zeit darauf wurde diese Produktion eingestellt und ein neues Gebäude gebaut, in dem auch Wirtschaftsglas produziert wurde und somit die Arbeitsplätze gesichert waren.

1982 wurde im Glaswerk Olbernhau der erste Fertigungsroboter, eine neue Säurepolieranlage, in Betrieb genommen. Dieser Roboter ist zu dieser Zeit die modernste Anlage der Glasbetriebe.

Zum Einsatz kommen in den 80er Jahren verstärkt Diamantschleifscheiben auf modernen Schleifmaschinen zur Bleikristallveredlung, wodurch eine höhere Effektivität erreicht wurde. Der Jahresumsatz betrug zu dieser Zeit 17 Mill. Mark mit ca. 200 Mitarbeitern.


Bleikristall Olbernhau Olbernhau Bleikristall Serie Weltruf Olbernhauer Bleikristall Weltruf

Bleikristall aus OlbernhauOlbernhauer BleikristallSerie Weltruf Olbernhauer Bleikristall
Olbernhauer Bleikristallprodukte von Weltruf

Durch das politische und fachliche Arrangement von Edmund Pech (er war Mitglied der Volkskammer der DDR und Träger hoher Auszeichnungen) entwickelte sich der Betrieb immer weiter. Für die Stadt Olbernhau war der Betrieb auch finanziell eine starke Stütze.

Voller Hoffnung erleben auch die Mitarbeiter unseres Glaswerkes Olbernhau die politische Wende im Jahr 1989. Noch glauben viele, dass die herausragenden Qualitätserzeugnisse aus Olbernhau schnell einen festen Platz im neuen geeinten Deutschland finden werden. Doch die Nachfrage nach handgeschliffenem Bleikristall sinkt sehr schnell. Einige Mitarbeiter können Vorruhestandsregelungen in Anspruch nehmen, aber viele Arbeiter müssen auch gekündigt werden. 1990 wird als erster Betriebsteil unser kleiner Betrieb in Satzung geschlossen. Einige wenige Mitarbeiter können noch im Hauptwerk in Olbernhau arbeiten. Aber auch sie werden nach und nach ihre Arbeit verlieren. So gründen 4 ehemalige Satzunger Glasveredler in den Folgejahren je einen eigenen Handwerksbetrieb.

1992 kann Edmund Pech mit 72 Jahren wieder seine Firma in Privatbesitz übernehmen.

In Olbernhau verkleinert sich die Bleikristallveredlung immer mehr. Es erfolgt eine Neuorientierung auf Sortimente im Bereich Biegeglas und Flachglas. Isolierglas, Scheiben für Wärme- und Schallschutz werden mittels modernster Anlagen hergestellt. Die weltwirtschaftliche Lage führte, beginnend im Bleikristallbereich, später auch in anderen Produktionsabteilungen zu einer drastischen Entlassungswelle. Demzufolge war eine Schließung der Abteilung Bleikristallveredlung nicht mehr aufzuhalten. Durch den Gesundheitszustand von Edmund Pech machte sich eine Übernahme des Betriebes durch einen anderen Leiter erforderlich.

1993 verstarb Edmund Pech, nach fast 50 Jahren als Betriebsdirektor in Olbernhau.

Edmund Pech als Betriebsdirektor in OlbernhauEdmund Pech in seinem Buero
Edmund Pech - Ein Leben für den Werkstoff Glas

Die Glas- und Bleikristallveredlung wird ab Mitte 2000 nur noch durch die 4 kleinen Handwerksbetriebe in Satzung weitergeführt. Den Handwerksbetrieb habe ich im Jahr 1995 gegründet. Mein Meister Bernd Mühlig und Johannes Meßner, welche ebenfalls als selbständige Handwerker tätig waren, sind in den letzten Jahren in den wohlverdienten Ruhestand gegangen. Zur Zeit gibt es in Satzung noch zwei Handwerksbetriebe. Einen Glasschleifer und die Glasgravur Werkstatt, die ich selbst betreibe.

Rolf Hofmann bei der Arbeit als Glasgraveur Rolf Hofmann im Ausstellungsraum und Werkstatt

Das Angebot meiner Werkstatt umfasst Kristallglas und Bleikristallartikel, veredelt durch Schliff und Gravur. Einen Einblick in die Produktion erhalten Sie unter www.art-on-glass.com


Dank

Mein ganz besonderer Dank gilt allen ehemaligen Mitarbeitern aus Olbernhau und Satzung welche mir mit Worten, schriftlichen Aufzeichnungen und Bildern beim Erstellen des Artikels geholfen haben. Bedanken möchte ich mich ganz herzlich bei unserem letzten Abteilungsleiter der Bleikristallschleiferei Herrn Günther Klemm aus Olbernhau. Seinen ausgezeichneten schriftlichen Aufzeichnungen habe ich einen Großteil meines Beitrages zu verdanken. Ein ganz besonderer Dank auch an Herrn Thomas Döring aus Zöblitz. Aus Satzung haben mir besonders geholfen: Frau Irma Lorenz, Frau Gerti Rappich, Frau Renate Dieffenbacher, Herr Gerhard Melzer, Herr Bernd Mühlig und natürlich meine Familie.

Für zukünftige Beiträge freue ich mich immer über neue Informationen in Form von Bildern, Schriftstücke und Glas aus der alten Olbernhauer und Satzunger Produktion.

Ihr Rolf Christian Hofmann.

R. C. Hofmann

Satzunger Hauptstraße 28

OT Satzung

09496 Marienberg

Tel.+ Fax. 037364/ 88502

E- Mail: info@art-on-glass.com

Internet: www.art-on-glass.com

 

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